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Rede des Bürgermeisters zur Gedenkveranstaltung Opfer des Faschismus am 08.09.2018

Großbeeren, den 10.09.2018

Gedenkrede 08. September 2018

Unrecht, meine Damen und Herren, Unrecht ist das Gegenteil von Recht. Sicher - so denkt man jedenfalls. Unrecht fängt da an, wo das Recht sein Ende findet. Und wir alle wissen nur zu gut: Unrecht geschieht jeden Tag auf unserem Erdenball, leider auch in Europa! Doch ist uns das so noch Recht? Es ist viel passiert, seit die Kanonen verstummten und die Panzer erlahmten. Wir haben gelernt und wir haben verstanden, dass Europa und mit Ihr die Welt, einst geschändet wurde von Unrecht – 12 Jahre, 3 Monate und 9 Tage lang. Es war die Zeit des Nationalsozialismus – die Zeit der dunklen Jahre voller Entbehrung, Verlust und Angst – die Zeit in der mehr als 50 Millionen Menschen durch fremde Hand ihr Leben ließen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Gemeindevertreter, liebe Vertreterinnen aus den Ländern, liebe Gäste aus Politik und Gesellschaft,

Im Mai 1945 endete die dunkle Zeit der Naziherrschaft, doch die Auswirkungen auf die Generationen sind bis heute spürbar. Und um dieser Auswirkungen wegen - im Gedenken an das Unrecht - stehen wir heute hier an dieser Stelle. Auch das ist Resultat des größten Extrems der Neuzeit. Eines Weltenbrandes, der

Millionen mit sich in den Tod zog. Erwachsen aus Eitelkeit, Frust, Neid und Missgunst und dem unbedingten Drang nach Geltung des eigenen kleinen ICHs gegenüber. Und dieses kleine ICH war massenhaft vorhanden und zugleich der Nährboden zum Nacheifern bis hin zum willfährigen Massenmord im Dritten Reich.

Mich beunruhigt persönlich, dass die Zahl der Mahner dieser dunklen Zeit stetig abnimmt und zugleich die Gleichgültigkeit gegenüber einer zu verrohen drohenden Gesellschaft wächst. Vielleicht war uns die Menschlichkeit, dieses hehre Ideal, nach der wir uns so sehr sehnen - einst näher und bewusster als sie es heute ist.

Wir gedenken heute somit nicht nur der Opfer des Unrechts, denn nichts anderes war die Schreckensherrschaft der Nazis, sondern auch der Millionen Menschen, die einst ihr Leben gaben um für das Recht zu kämpfen. Aber meine Damen und Herren, lassen Sie uns heute auch gemeinsam mahnen - und zwar der menschlichen Unvernunft und der oftmals erschreckend aufkommenden Unmenschlichkeit, welche uns schauderhaft innewohnt!

Meine Damen und Herren, liebe Gäste, Ich hoffe Sie alle sehen, so wie ich auch, dass die Gefahr, dass das Unrecht in dieser extremsten Form wiederkehrt auch heute noch besteht. Ja die eitle Fratze des Unrechts zeigt sich nicht nur dann, wenn man die Abendnachrichten schaut und unfassbare Bilder aus Syrien, dem Sudan oder dem Jemen sieht. Bilder, die einst aus dem zerstörten Europa kamen. Nein, sie zeigt sich auch bei uns – hier – in unserem neuen Europa und viel deutlicher noch in unserem Land. Und diese Fratze zeigt sich nicht nur im Verborgenen, wie durch die Morde der NSU oder durch feige Angriffe auf Menschen – oftmals Menschen aus anderen Ländern – aber dennoch Menschen. Die Fratze zeigt sich noch viel deutlicher bei Aufmärschen in unserer Mitte – wie jüngst in Chemnitz. Nein, meine Damen und Herren, es ist viel schlimmer noch und manchmal noch verheerender - manchmal fängt es erst damit an. Aus Wut erwächst Unheil. Und diese blinde Wut gegen das Fremde kann sich ganz schnell zu einer Wut gegen alle entwickeln. Gegen Sie, oder Sie, oder sogar Sie.

Wofür stehen wir also heute? Wofür steht das Gestern – dem wir heute hier in Großbeeren gedenken?

Ich kann Ihnen nur eines sagen – lassen Sie uns gemeinsam mutig sein und dem Unrecht Einhalt gebieten – so wie heute hier an der Gedenkstätte der Opfer des Faschismus.

Lassen Sie uns zusammenrücken, lassen Sie uns wehren, lassen Sie uns leben – gemeinsam. Und lassen Sie uns und unsere Kinder nicht zu Opfern werden, lassen wir es nicht zu, dass man irgendwann unser an solch einem Ort gedenkt.

Die Menschen, die einst und auch heute für nichts Geringeres als ihr Leib und Leben kämpfen und Strapazen aufnehmen, das können auch wir sein. Wir, die es sich so überhaupt nicht vorstellen können, weil Wir, geschützt, in unseren bunten Häusern, bunten Wohnungen und bunten Gärten die Gefahr nicht erkennen mögen. Unsere Strapazen heute? - bestehen aus dem Wetteifern untereinander und darum das eigene Wohl zu schützen. Das alles ist nicht verwerflich - wenn dabei die Menschlichkeit nicht Platz auf der Auswechselbank nimmt.

Meine Damen und Herren, ich wollte nicht auf Ihr Gemüt drücken und sie mit schweren Herzen gehen lassen, denn die Geschichte behält die hoffnungsvollsten Momente manchmal in den kleinsten Begebenheiten vor. Es gab sie, und es gibt sie immer wieder - kleine Lichtblicke der Menschlichkeit und der Hoffnung. Aus allem Unheil erwächst immer etwas Gutes. Chemnitz wird uns irgendwann eine Lehre sein, hoffentlich nicht so wie einst die 12 Jahre, 3 Monate und 9 Tage und Ihrer Opfer denen wir heute in Trauer gedenken.

 

Danke

 

 
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